Depression? Sind wir nicht alle irgendwie depressiv?

Die klare Antwort hier lautet: Jain. Wir müssen hier nach medizinischen Begriffen und der Umgangssprache trennen.
Eine Depression oder depressive Verstimmung ist eine mehr oder weniger klar definierte psychische Erkrankung. Mehr dazu gleich.
Eine depressive (Ver-)Stimmung, wie wir sie alle schon mehrfach erlebt haben, kann eine Facette der Depression als Krankheit sein. „Ich bin deprimiert“ wäre hier der korrektere Ausdruck.

Laut Duden wird „deprimiert“ folgendermaßen beschrieben: entmutigt, niedergeschlagen, gedrückt, schwermütig
Und „depressiv“ wie folgt: die Depression betreffend; an einer Depression leidend

Wie Sie sehen, verwäscht die Umgangssprache die eigentliche Bedeutung.

Predigt beendet. Lassen Sie uns endlich anfangen

Eine Depression ist eigentlich ein Syndrom. Ich würde Ihnen dies gerne anhand von Sprache erklären. Das Symptom wäre äquivalent zu einem Wort. Symptome sind Merkmale an denen man etwas erkennen kann. Spätestens seit Corona, wissen wir alle, was das ist. Ein Beispiel bei der Depression wäre Interessenverlust.
Mehrere Symptome machen nun ein Syndrom, oder in unserer Sprachanalogie, einen Satz.

Depression grob umrissen

Eine Depression ist ein Syndrom. Das heißt, dass unterschiedliche Symptome zusammen auftreten und dann eine Depression diagnostiziert werden kann, wenn es genügend und vor allem, die richtigen sind.
Die Prävalenz ist die Häufigkeit mit der die Erkrankung auftritt. Unter Lebenszeitprävalenz versteht man die Wahrscheinlichkeit innerhalb des Lebens zu erkranken.

Was sind Ursachen einer Depression?

Die Ursachen werden als „multifaktoriell“ beschrieben. Auf gut Deutsch: es gibt keine einzelne Ursache.

Genetische Prädisposition

Wir wissen, dass eine der Ursachen in den Genen des Menschen liegt. Wenn Ihre Familienangehörigen also eine Depression haben oder hatten, haben Sie ein erhöhtes Risiko auch daran zu erkranken.

Funktions- und Stoffwechselstörungen im Gehirn

Hier muss ich sagen, tappen wir noch etwas im Dunkeln. Bis vor Kurzem waren sich die Wissenschaftler ziemlich sicher, dass eine Unterversorgung des Gehirns mit dem Neurotransmitter (Botenstoff) Serotonin für Depressionen verantwortlich ist. Allerdings gibt es nun Studien, die diese Theorie wieder ins Wanken bringen. Wir wissen aber, dass sich bei manchen Depressionen eine Erhöhung des Serotoninspiegels positiv auswirkt. Wir warten gespannt auf weitere Studien und Untersuchungen.

Persönlichkeitsentwicklung

Manchmal läuft etwas bei der Entwicklung schief, was zum Risiko für Depressionen beitragen kann. Beispiele hierfür wären (Entwicklungs-)Traumata, ein Unvermögen mit Stress und Frust umzugehen oder ein sehr ängstlicher Erziehungsstil, durch den die Kinder Hilflosigkeit erlernen und dann im späteren Leben nur sehr beschränkt lebensfähig sind.

Depression als Komorbidität

Eine Komorbidität ist eine Erkrankung, die häufig mit einer anderen zusammen auftritt. Depressionen treten häufig komorbid mit Ängsten, Zwängen, Autismus, Trauma, Essstörungen, Abhängigkeitserkrankungen, Schizophrenie und Persönlichkeitsstörungen auf.
Hier möchte ich nur kurz anreißen, dass Depressionen auch ein Pol der bipolaren Störung sind.
Schauen wir uns nun die Epidemiologie der Depression an.

Wie verbreitet ist sie?

Die Epidemiologie beschreibt die Verbreitung der Erkrankung. Hier sind Dinge beinhaltet wie die Inzidenz, die Reproduktionszahl (der R-Wert bei Corona) und die Prävalenz.
Depressive Störungen sind eine der häufigsten psychischen Störungen. Je nach Statistik hat sie eine Lebenszeitprävalenz zwischen 20% und 33%.

Wer ist denn davon betroffen?

Betroffen sind mehr Frauen, als Männer. Risikofaktoren sind auch Single-Dasein, Arbeitslosigkeit, wenig soziale Kontakte und die oben bereits benannten Faktoren.

Welche Arten der Depression gibt es?

Hier möchte ich Ihnen noch kurz die unterschiedlichen Formen der Depression erläutern. Es gibt Depressionen die nur einmal im Leben auftreten. Andere kommen immer wieder und manche werden als chronisch beschrieben.

  • Depressive Episode; die ist eine Phase in der die Depression auftritt.
  • Rezidivierende depressive Episode; wiederkehrende depressive Episoden
  • Dysthymia; dies ist eine chronische Depression, die so gut wie immer da ist, aber nicht so ausgeprägt, wie eine depressive Episode.

Mit Ausnahme der Dysthymia wird noch nach Schweregrad unterschieden zwischen leicht, mittelgradig und schwer. Depressive Episoden gibt es mit und ohne psychotischen Symptomen. Diese wären Wahninhalte, Halluzinationen, oÄ.

Welche Symptome oder Beschwerden können auftreten?

Unterschieden wird nach Haupt- und Nebenmerkmalen. Die Hauptmerkmale sind:

  • Antriebsveränderungen (Antriebssteigerungen oder Antriebsverlust)
  • Interessenverlust
  • Depressive Stimmung (hier können auch Ängste mit beigemischt sein)

Die Nebenmerkmale sind:

  • Schlafstörungen
  • Appetitveränderungen (verminderter oder gesteigerter Appetit)
  • Konzentrationsprobleme
  • Schuldgefühle oder verminderter Selbstwert
  • Suizidgedanken
  • Eine leichte depressive Episode setzt sich aus zwei Haupt- und zwischen zwei und drei Nebensymptomen zusammen.
  • Eine mittelgradige depressive Episode setzt sich aus zwei Haupt- und zwischen vier und fünf Nebensymptomen zusammen.
  • Eine schwere depressive Episode setzt sich aus allen drei Haupt- und den fünf Nebensymptomen zusammen.


Nun sehen Sie auch, warum es sich bei der Depression um ein Syndrom handelt. Die betroffenen Menschen können sehr unterschiedliche Symptome haben und doch alle an depressiven Episoden leiden.

Somatisches Syndrom

Nun gibt es noch eine Besonderheit. Das sogenannte somatische Syndrom. Bei diesem Symptomkomplex geht man davon aus, dass die Ursache auf einer Stoffwechsel- oder Funktionsstörung der Gehirns basiert. Die Symptome hier sind:

  • ausgeprägter Interessenverlust
  • morgendliches Früherwachen (mindestens 2 Stunden früher als normal)
  • Morgentief (die Stimmung ist sehr gedrückt)
  • ausgeprägte psychomotorische Hemmung (die Bewegungen des Menschen, welche von der Psyche gesteuert werden. z.B. Sprechen)
  • Agitiertheit (dies bezeichnet Unruhe, sie kann innerlich oder motorisch sein)
  • ausgeprägter Appetitverlust
  • Gewichtsverlust (mindestens 5%)
  • Libidoverlust

Und wie therapiert man die Depression?

Der Begriff „Therapie“ umfasst mehrere Bereiche. Psychopharmakotherapie, Körpertherapie, Psychotherapie und physikalische Therapie sind mitunter die wichtigsten im Bereich der Psyche.
Eine Dysthymia wird mit Psychotherapie und Sozialtherapie behandelt. Zur Vorbeugung ist Psychoedukation ein wichtiger Bestandteil
Depressive Episoden (leicht und mittelgradig) können ambulant therapiert werden. Hier hat sich vor allem die Verhaltenstherapie bewiesen. Schwere Depressionen werden aufgrund des Risikos für die Unversehrtheit der betroffenen Person sowie deren Umfeld, stationär behandelt.
Beim somatischen Syndrom werden von einem Psychiater eventuell begleitend zu einer Psychotherapie noch Psychopharmaka verordnet.
Depressionen, die auf etwaige Psychopharmako- und Psychotherapie nicht ansprechen, werden manchmal mit einer Elektrokrampftherapie (EKT) behandelt. Medikationen und EKT werden von dem Arzt mit den betroffenen Patienten besprochen und geplant.

Vielen Dank

Ich hatte viel Freude beim Schreiben meiner ersten Psychoedukation. Ich hoffe, dass Sie sich beim Lesen von mir abgeholt gefühlt haben. Falls Sie Fragen haben, können Sie mir einen Kommentar hinterlassen oder eine Email schreiben.

Somit bleibt für mich nur noch die Ankündigung des nächsten Beitrags. Hier möchte ich gerne anfangen auf die Therapieformen einzugehen.
Ich freue mich und bis spätestens den 28.8.

Ihre Sofia Weavind

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